Pressebericht zum Besuch von Gilda Roa aus Paraguay
 

nk-2008-05-23

Zu viel Fleisch hier lässt Menschen dort hungern

von Marianne Schlestein
Hohenbüssow. Eine weitgereiste Besucherin empfing die Bürgerinitiative „Leben am Tollensetal“ am Dienstag in Hohenbüssow. Gilda Roa aus Paraguay redete über die Probleme des industrialisierten Sojaanbaus in ihrem Land. Kleinbauern in ländlichen Gebieten werden von ihrem Land vertrieben, das für Sojafelder genutzt wird. So haben sie keine Chance, sich selbst zu ernähren. Für die Bürgerinitiative sind die Schwierigkeiten der Kleinbauern in Paraguay ein weiterer Grund, die geplante Schweinezuchtanlage bei Alt Tellin abzulehnen. Nur was hat Europas größte Schweinezuchtanlage mit dem Sojaanbau in der Dritten Welt zu tun?
Gilda Roa erklärte es. „Die Menschen im Norden essen sehr viel Fleisch“, sagte die junge Frau aus dem kleinen Land im Norden zwischen Argentinien und Brasilien. So viel Fleisch, dass die dafür nötigen Futtermittel nicht dort produziert werden können, wo sie konsumiert werden und aus anderen Ländern wie etwa Paraguay importiert werden müssen.
Ein beliebtes Futtermittel ist Soja. Dessen Nachfrage schnellte in den 1990ern in die Höhe, als Knochen und andere Restprodukte der Fleischindustrie als Eiweißquelle in Futtermitteln verboten wurden, erklärte An Maeyens bei dem Treffen in Hohenbüssow. Die junge Niederländerin arbeitet für die Nichtregierungsorganisation (NGO) „A Seed“ und begleitet Gilda Roa auf ihrer Reise durch Europa. Sie fungierte gemeinsam mit Mathias Hohmann vom Forschungs- und Dokumentationszentrum Lateinamerika in Berlin als Übersetzerin.
Mit der höheren Nachfrage nach Soja wuchsen auch die Anbauflächen in Paraguay. „Im Jahr 2000 ging es richtig los, weil das genveränderte Soja eingeführt wurde“, erzählte Gilda Roa. Das ist resistent gegen Herbizide, die alle anderen Pflanzen töten. Weil die Bewirtschafter der Sojafelder bei jedem Wetter spritzen, treffe das Herbizid auch Felder der Kleinbauern und vernichte deren Ernte, ergänzte An Maeyens. Immer wieder kommen auch Menschen mit den Giften in Kontakt. Die Bewohner berichten von Kopfschmerzen. „Ein Junge ist von dem Gift getötet worden, Mütter bringen Babys mit Tumoren zur Welt“, sagte Gilda Roa und untermauerte ihre Berichte mit Fotos. Für Kleinbauern, die vertrieben wurden, oder von ihrem Land nichts mehr ernten, bliebe oft nur der Weg in die Slums der Großstadt. Gilda Roa ist Mitglied in der Movimiento Agrario Popular, einer Bewegung von Kleinbauern. Sie demonstrieren in der Hauptstadt gegen die Soja-Monokulturen, sie besetzen Land, auf dem Soja angebaut wird und
reisen um die Welt, um aufzuklären. „Die Leute hier essen so viel Fleisch, weil sie es nicht besser wissen“, glaubt Gilda Roa. „Ich bin nur hier, um davon zu erzählen. Ich will, dass es jeder weiß.“









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