Sternmarsch gegen die geplante Ferkelaufzuchtanlage in Alt Tellin am 20.09.2008
 

Redebeitrag von Frank Götz für MiLaN

Frank Götz - ich bin im Naturtourismus in der Vorpommerschen Flusslandschaft freiberuflich tätig und spreche hier für den Unternehmerverband MiLaN. Mit dem Namen MiLaN verbindet sich hier aber nicht ein Vogel sondern es ist die Abkürzung für unser Motto: Mit Lust an Natur. Alle die mit Lust wirtschaftlich etwas unternehmen und die nachhaltige Nutzung der Natur als oberstes Gebot ansehen,  sind bei uns herzlich willkommen. Dabei halten wir es wie die Natur selbst. Es gibt rote und schwarze MiLaNe und sicher ist auch so manch bunter Vogel unter uns. Aber mit Sicherheit gibt es bei uns keine Braunen.

Bei der kleinen Paddlerdemo heute durch das Tollensetal von der Burg Klempenow bis zum Broocker Hof – spürten wir wie jeder andere der auf diesem kleinen Fluss unterwegs ist - dies ist die Lebensader dieser schönen Landschaft. Und solche Lebensadern haben wir mehrere hier – sie heißen Peene, Trebel und Tollense.

Immer wieder wenn ich auf den Flüssen Vorpommerns unterwegs bin denke ich an die indianische Prophezeiung:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werden die Menschen feststellen,
dass man Geld nicht essen kann.“

Diese Worte sind alt und kommen aus Nordamerika könnte man jetzt sagen, was geht uns diese Prophezeiung an. Liest man z. B. den Gewässerbericht des Landes MV und dieser ist sicher keine „Grüne Propaganda“ – kommt man darüber aber sicher doch ins Nachdenken.

Gülleverseuchte Flüsse werden keine Gäste anlocken. Ständiger Gestank wie er in Medow oder Anklam heute schon Realität ist passen nicht in das Urlaubs und Tourismusland Nr. 1

Gerne würde ich heute über schönere Geschichten erzählen, z. B. über die Möglichkeiten einer modernen und zugleich nachhaltigen Landwirtschaft, über touristische Entwicklungschancen im Tollensetal, über die Entwicklung von Handwerk, von Kunst und Kultur. Auch darüber wie auf diesem Weg mehr Investitionen und mehr Beschäftigung ins Land kommen könnten. Wie sich Infrastruktur und Lebensqualität verbessern könnten...

Wenn diese Ferkelfabrik aber kommt - wird diese Geschichte nicht geschrieben werden können.

Dabei wurde im Tollensetal schon gut Geschichte geschrieben.

In Broock erklangen vorhin Parforcehörner, um an die Geschichte in Broock zu erinnern. Reste des Schlosses stehen ja noch. Die Mecklenburger Meute war von 1827 bis 1934 dort zu hause, genau wie die Reitjagd und die Pferdezucht.

Oder die Geschichte von Bad Hohenbüssow. Auch ohne sprudelnde Heilquelle ist dieser Ort heute noch oder schon wieder eine Reise wert.

Gehen Sie doch einfach mal in eine unserer Dorfkirchen oder nachher zur Andacht hier in Alt Tellin, da erklingen die Parforcehörner noch einmal. Die Geschichte unserer Dörfer ist dort sicher spürbar und es ist Gelegenheit über die Vergangenheit und die Zukunft des Tollensetals in aller Stille nachzudenken. Wen es nicht so in die Kirche zieht, der kann dies sicher auch bei einer Wanderung durch unsere herrliche Landschaft tun.

Warum spreche ich heute hier und hoffe darauf, dass viele Menschen dadurch zum nachdenken angeregt werden.

Ich bin in Greifswald geboren und habe außer zur Ausbildung oder im Urlaub Vorpommern nie verlassen. Bin ich hier in der Gemeinde Alt Tellin nun zu hause oder ein Zugezogener oder gar fast ein Ausländer?

Es ist schon erschreckend wenn man in seiner Heimat ein paar Kilometer umzieht und plötzlich ein Zugezogener ist. Vorurteile wie ich sie teilweise am Rande der letzten Gemeindevertretersitzung erlebt habe nehme ich nicht persönlich, aber ich will sie nicht unbeantwortet lassen.

Vorurteile, Intoleranz und Ausgrenzung anders Denkender und anders Lebender sind der Nährboden für Hass und Gewalt. Besonders all die, die einmal durch Flucht und Vertreibung hierher gekommen sind wissen wie es war als die Bevölkerung in Alteingesessene und Neuankömmlinge geteilt war. Und diese Ihre Lebenserfahrung sollten Sie ihren Kindern und Enkeln mit auf den weiteren Lebensweg geben, damit sich so etwas nie wiederholt.

Ein weiteres Vorurteil dem ich hier entgegen treten möchte ist:

Entweder Landwirtschaft oder Tourismus

Da gibt es keinen Widerspruch. Landschaftsbezogener, naturnaher Tourismus und Landwirtschaft passen sehr wohl zusammen. Da müssen sich nur die Akteure mal zusammen setzen und miteinander reden. Das sollte doch in jeder Gemeinde möglich

sein und wir haben dazu beste Möglichkeiten. Der Unternehmerverband ist Mitglied in der Lokalen Aktionsgruppe „Demminer Land“. In diesem Rahmen ist er Träger des Leitprojektes „Leben am Tollensetal“.

Das ist eine echte Chance für das Tollenstal und nicht eine Ferkelfabrik. Da steht nun wirklich die Frage: entweder oder? Dieses Problem muss nun endlich mal in Politik und Verwaltung erkannt und nicht tot geschwiegen oder ausgesessen werden.

Landwirtschaft und Tourismus können gemeinsam das Leben am Tollensetal bereichern.

Wenn ich von Landwirtschaft spreche meine ich natürlich die Landwirtschaft die diesen Namen verdient und Landwirte die diese stolze Berufsbezeichnung zu recht tragen, die die Erfahrungen, von ihren Vätern und Großvätern einbringen und verantwortungsbewusst mit neuen Entwicklungen umgehen. Die so wirtschaften, dass auch noch ihre Kinder und Enkel hier arbeiten und leben können.

Damit sind wir beim eigentlichen Problem – Die Agrarindustrie

... sie schafft keine Beschäftigung, sie vernichtet Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und in anderen Bereichen.

Es waren 1990 einmal 18.000 Menschen im Kreis Demmin in der Landwirtschaft tätig, heute sind es noch knapp 4.000, so Vizelandrat Diesterheft kürzlich in einem Pressegespräch.

Wenn die Landwirtschaft nicht mehr soviel Beschäftigte benötigt ist es doch nur fair, dass andere Zweige wie Tourismus, Handwerk und auch Kunst und Kultur Entwicklungsmöglichkeiten bekommen. Ja die Verantwortlichen in der Landwirtschaft und in der Kommunalpolitik haben geradezu die Verpflichtung solche Entwicklungen zu fördern und für einen Interessenausgleich, Chancengleichheit und für sozialen Frieden zu sorgen.

Die Versäumnisse der letzten 18 Jahre führten zu den heutigen Problemen wie Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und zur Abwanderung junger Leute. Laut Befragung sehen 2/3 der Schülerinnen und Schüler ihre Zukunft nur im Weggehen. Wohnen wir bald in einem Notstandsgebiet oder haben wir es heute schon?

Da hilft auch kein Warten auf Investoren. Denn was kommen denn da für Leute ins Land?

Etwa Jemand wie Herr Straathof wird unsere Probleme hier nicht lösen. Nein sie werden dadurch nur noch verschärft.

Mit den unsinnigsten Argumenten wird dann noch das Volk für dumm verkauft: Der Verbraucher will billiges Schweinefleisch kaufen. Das ich nicht lache. Der Verbraucher will auch billigen Kraftstoff an der Tankstelle kaufen. Und bekommt er ihn?

Und das Märchen von den Arbeitsplätzen haben wir nun auch zu oft gehört.

Warum sollte jemand aus Profitgier Arbeitsplätze schaffen? Da wird doch nur das notwendigste Personal angestellt und nur soviel bezahlt wie man unbedingt muss. Einstmals freie Bauern werden zu Lohnarbeitern degradiert.   

Ich kenne wahrhaftige Investoren. Ich erlebe sie an den Flüssen Peene, Trebel, Uecker und Tollense. Kleine Familienbetriebe und Einzelunternehmen. Sie investieren täglich ihre Arbeitskraft und auch Geld. Verdientes Geld wird da nicht außer Landes geschafft oder an der Börse verspielt. Der hier erwirtschaftete Reichtum gehört in den regionalen Wirtschaftskreislauf. Dann wird dieser Kreislauf auch auf den „Herzschrittmacher Hartz IV“ nach und nach verzichten können. Dazu haben Politik und Verwaltung günstige Bedingungen zu schaffen und nicht für zweifelhafte Investoren die Steigbügel zu halten.

Wenn gewählte Volksvertreter das nicht können oder wollen so haben wir im nächsten Jahr die Möglichkeit diese auszutauschen, wenn auch mal alle Nichtwähler zur Wahl gehen und sich Menschen zur Wahl stellen, die wirklich etwas bewegen wollen und können.

Blühende Landschaften gibt es dort wo viele fleißige Gärtner sind und wenn ich hier so über den Platz schaue .......... gibt es hier genügend fleißige und kluge Menschen die unser schönes pommersches Land bewirtschaften können.

Investoren wie Herr Straathof, bleibt zu hause, wir brauchen euch hier nicht !!!


Redebeitrag Jörg Kröger für die Bürgerinitiative

Grußwort des designierten Landrats Sigfried Koniecny



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