Sternmarsch gegen die geplante Ferkelaufzuchtanlage in Alt Tellin
 

Nordkurier-2008-09-22

Verstärkter Protest gegen Ferkelzucht

STERNMARSCH Hunderte Menschen folgten dem Aufruf der Bürgerinitiative „Leben am Tollensetal“ und zogen mit Transparenten nach Alt Tellin.

VON KIRSTEN GEHRKE

ALT TELLIN. Mit der Ruhe im Tollensetal war es kurz vorbei, und das gewollt: Lautstark – mit Trommeln, Trillerpfeifen und anderen Musikinstrumenten zogen am Sonnabend Gegner der geplanten Schweinezuchtanlage aus allen Richtungen ins Zentrum von Alt Tellin. Hunderte Menschen folgten dem Aufruf der Bürgerinitiative „Leben am Tollensetal“ und beteiligten sich am Sternmarsch. Von Neu Tellin, Broock und Siedenbüssow kamen die Protestzüge. Paddler und Radfahrer waren bereits in Klempenow zur Demo aufgebrochen. Auf Transparenten, Plakaten und Schildern machten die Demonstranten erneut unmissverständlich deutlich, dass sie eine „riesige Ferkelfabrik“ in der Region nicht haben wollen. Landwirtschaftsminister, Bürgermeister und Bauernpräsident waren zur anschließenden Kundgebung eingeladen. Doch keiner kam. Till Backhaus (SPD) und Frank Karstädt ließen sich entschuldigen, Rainer Tietböhl habe gar nicht erst reagiert, hieß es. Im Hintergrund versuchten indes Bürger mit Motorengeräusch, Tröten und Zwischenrufen die Kundgebung zu stören. Drei Mädchen huschten eher unauffällig durch die Menge mit Zetteln vor der Brust, auf denen stand „Wir sind dafür“. Die Demonstranten ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken. Jörg Kröger von der Bürgerinitiative „Leben am Tollensetal“ warnte davor, mit Scheinproblemen Zwietracht zu sähen. Das sei Methode, wenn wenige ihre Interessen gegen viele durchsetzen wollen. Die Mehrheit der Menschen sei gegen die Schweinezuchtanlage, die die größte Europas werden soll. Eine Entscheidung darüber dürfe nicht spontan und aus dem Bauch heraus getroffen werden. Wenn die Anlage komme, werde der Lkw-Verkehr zunehmen, die Anwohner mit Lärm und Gestank belästigt. Kröger betonte erneut, dass keine Arbeitsplätze geschaffen, sondern in Wahrheit mehr vernichtet würden. Es sei die BI gewesen, die den erneuten Skandal aufgedeckt habe (Nordkurier berichtete). „Selbst Politik zu machen, gehört nicht zu den Aufgaben des Amtes.“ Applaus bekam dann auch Jeannine Rösler (Die Linke), die die Meinung des designierten Landrats Siegfried Konieczny vortrug. Der sage, dass Landwirtschaft auf dem Dorf dazugehöre, aber keine überdimensionierte Schweinefabrik. Eine solche zerstöre gewachsene wirtschaftliche Strukturen und beeinträchtige das Leben der Menschen. Er gebe der BI Recht in ihrer Ablehnung und habe vollste Sympathie. Christa Labouvie von der Bürgerinitiative „Steinkohlekraftwerk Lubmin“ rief die Demonstranten auf, sich bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr für Gemeindevertretung und Kreistag aufzustellen, um in den Parlamenten zu sitzen. Dann könne man mitgestalten und müsse nicht ständig dagegen kämpfen. Wie Frank Götz vom Unternehmerverband „Mit Lust an Natur“ (MiLaN) indes sagte, dürfe man zweifelhaften Investoren nicht die Steigbügel halten. Solche Investoren wie Straathof – der Holländer will die Anlage bei Alt Tellin bauen – brauche man nicht. Argumente wie, alle würden billiges Fleisch kaufen wollen, lasse er nicht gelten. „Jeder will auch billigen Kraftstoff kaufen, und? Bekommt er ihn?“ Götz warnte davor, dass sich Geschichte wiederholt. Denn Vorurteile und Intoleranz gegenüber Andersdenkenden sei der Nährboden für Hass.

Redebeitrag Jörg Kröger für die BI

Redebeitrag Frank Götz für MiLaN

Grußwort des neuen Landrats, verlesen von Jeannine Rösler








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