Politik

 

Regionales Raumentwicklungsprogramm (RREP), Vorentwurf Januar 2008

Stellungnahme aus Sicht des Unternehmerverbandes MiLaN für das (untere) Tollensetal, dargestellt am Beispiel der Gemeinde Daberkow

Tourismusentwicklungsgebiet Tollensetal

Für einen naturnahen, sanften Tourismus bestehen entlang der Tollense außerordentlich gute Chancen. Dies zeigt beispielhaft die erfolgreiche Entwicklung am unteren Tollensetal, dem Verbandsgebiet von MiLaN. Die Landesraumentwicklungsplanung trägt dem Rechnung, indem entlang des Flüsschens ein Tourismusvorbehaltsgebiet ausgewiesen ist, welches das gesamte Gemeindegebiet der Anliegergemeinden umfasst.

Demgegenüber versucht das Regionale Raumentwicklungsprogramm durch genauere Betrachtung und anhand von 7 Kriterien eine differenziertere Untergliederung. Dies ist in der Fläche des Landes wohl zielführend.  An den Grenzen eindeutig vorhandener Entwicklungsräume kommt es dadurch aber teilweise zu unerwünschten Ergebnissen.

Beispiel Daberkow

Nimmt man den Verlauf der Tollense als Mittelpunkt des Tourismus-Entwicklungsraumes, so verengt sich dieser z.B. auf der nördlichen Seite bei Wietzow auf ca. 500m, weil nur die Ortslage Wietzow noch mit erfasst wird. Der Hauptort Daberkow, nur ca. 1000 m weiter gelegen, wird nicht mehr als Entwicklungsraum ausgewiesen.

Die überragende naturräumliche Ausstattung des Tollensetals ermöglicht aber selbstverständlich auch für Daberkow überdurchschnittliche Entwicklungschancen im Bereich des naturnahen Tourismus. Das Tollensetal ist von Daberkow über die neu gepflanzte Allee zu Fuß im Rahmen eines Spazierganges zu erreichen. Auch ist im Kernbereich des Tollensetals selbst gar keine Tourismusentwicklung im eigentlichen Sinne möglich. Das dortige Schutzgebiet verhindert Eingriffe und Bauten. Die eigentliche Tourismusentwicklung kann schon aus diesem Grund nur in den angrenzenden Ortslagen stattfinden.

Hinzu kommt als weiterer Gesichtspunkt die noch recht unbeachtete historische Bedeutung der hiesigen Gegend, die seit der letzten Eiszeit entstanden ist. Auch hier soll wieder die Gemeinde Daberkow zum Beispiel dienen. Denn von der Tollenseburg zwischen Wietzow und Klempenow bis zur Burganlage bei Daberkow zieht sich eine Kette von Großsteingräbern. Beide Burgwälle sind noch sehr gut erhalten, inklusive Wassergraben und ehemaligem Zugang. Absolut herausragend und von nationaler Bedeutung ist der Fund der Luren von Daberkow. Weltweit wurden nur 63 Exemplare dieser ca. 3500 Jahre alten bronzezeitlichen Blasinstrumente gefunden. Die Bedeutung dieses Fundes bei Daberkow kann ohne weiteres mit der „Himmelsscheibe von Nebra“ verglichen werden.

Auch aus diesem Grund scheint also eine Ausweisung als Tourismus-Entwicklungsgebiet geboten, weil hier neben der naturräumlichen Ausstattung auch historische Anknüpfungspunkte bestehen, die fast schon als  touristisches Alleinstellungsmerkmal zu bewerten sind. Diese sollten unbedingt erschlossen und zukünftig auch genutzt werden. 

Fazit für die Gemeinde Daberkow:

Das Gemeindegebiet sollte wegen seiner unmittelbaren Nähe zum Tollensetal und seiner bedeutsamen historischen Sehenswürdigkeiten in seiner gesamten Ausdehnung in den Tourismus –Entwicklungsraum einbezogen werden.

Folgerungen für das gesamte  (untere) Tollensetal

Die am Beispiel Daberkow entwickelten Argumente für eine Ausweisung des gesamten Gemeindegebietes als touristischen Entwicklungsraum lassen sich ohne weiteres auf das gesamte (untere) Tollensetal übertragen. Dies gilt nicht nur wegen der jeweiligen Nähe zur naturräumlichen Ausstattung des eigentlichen Flusstales. Auch die kulturell – historische Bedeutsamkeit ist entlang des Flüsschens auch anderen Orts nachweislich gegeben. Hier sei nur die bei Tückhude gelegene Doppelburg oder die bei Sanzkow gefundenen trepanierten Schädel und die nachgewiesene Wiedergängerbestattung erwähnt. Da die Besiedlung historisch entlang der Wasserwege begann, verwundert diese Häufung nicht.

Wegen dieser touristischen Entwicklungschancen wurde für das untere Tollensetal bereits der Status eines Leitprojektes innerhalb der lokalen Aktionsgruppe „Demminer Land“ erreicht.

Die sich daraus für die anliegenden Gemeinden ergebenden Möglichkeiten sind noch keineswegs ausgeschöpft. Wir stehen ganz am Anfang einer Entwicklung, an der möglichst viele Bürgerinnen teilhaben sollten.

Auch vor diesem Hintergrund erscheint es daher sinnvoll, die bestehenden Förder- und Entwicklungsmöglichkeiten nicht durch eine allzu restriktive Ausweisung von Tourismus-Entwicklungsgebieten zu erschweren.

Immerhin haben allein die MiLaN – Unternehmen bereits für 37 zusätzliche Arbeitsplätze in der Region gesorgt, davon beachtliche 23  Vollzeitarbeitsplätze.

Fazit deshalb auch hier:

Wenigstens im Bereich des unteren Tollenstals von Klempenow bis zur Burgruine Osten sollten alle anliegenden Gemeinden mit ihrem gesamten Gemeindegebiet in den ausgewiesenen Tourismus-Entwicklungsraum einbezogen werden.


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