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2012-10-10


Vor der Informationsflut - Alle Teilnehmer / innen sind noch frisch
 

Anspruchsvolle Vorträge und ein empörtes Echo im Landwirtschaftsministerium und beim Bauernverband

Die von Prof.Dr. Klüter vorgelegten Zahlen entstammen in der Regel offizieller Statistik, sind also kaum zu widerlegen. Die vergleichsweise geringe Wertschöpfung agrarindustrieeller Großbetriebe ist eine Tatsache und wird sogar vom Bauernverband (wenn auch vielleicht unbeabsichtigt) eingestanden: „Es könne nicht allein die Betriebsgröße dafür verantwortlich gemacht werden, dass die hiesige Landwirtschaft in der Summe im Vergleich mit westdeutschen Flächenländern ineffektiver arbeite“ sagte Bauernpräsident Tietböhl am 13.10. im Nordkurier. Aber diese Ineffektivität hat Folgen für den ländlichen Raum: Geringe Wertschöpfung, geringe Investitionen je Hektar und kaum noch Arbeitsplätze. In NRW arbeiten auf vergleichbarer landwirtschaftlicher Nutzfläche mehr als 120.000 Menschen, in MV sind es gerade noch gut 20.000.


Prof. Dr. Klüter, Leiter des Lehr- und Forschungsbereiches Regionale Geographie an der Uni Greifswald im NDR-Interview
 

Agrarstruktur in MV

In Reaktion auf den Vortrag von Prof. Klüter erklärte Landwirtschaftsminister Backhaus: „Der Anteil der Betriebe mit mehr als 100 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche lag 1890 mit 58,2 % auf Platz 1 und damit deutlich höher als im Rest des damaligen deutschen Staatsgebiets (20,2%). Das zeigt, dass schon damals eine deutliche, natürlich gewachsene Prägung zu großen Strukturen vorhanden war.“ Dazu hat mittlerweile Prof. Dr. Klüter klargestellt: „(...) dass im heutigen Mecklenburg-Vorpommern der Anteil dieser Betriebsgrößenklasse nicht mehr bei 58,2%, sondern bei 95,2% liegt. Außerdem gehört schon etwas Zynismus dazu, die traurigen Ergebnisse des Bauernlegens im 19. Jahrhundert in Mecklenburg 1890 als „eine deutliche, natürlich gewachsene Prägung zu großen Strukturen“ zu bezeichnen. Bei Johannes Conrad in „Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik“ Bd. 50 (1888) S. 121 – 170 können Sie nachlesen, wie das wirklich gewesen ist. Damit könnten Sie auch die damaligen Strukturen im vorpommerschen Landesteil entsprechend würdigen. Auf jeden Fall sollten Sie festhalten, dass seinerzeit – also in der Epoche des Spätfeudalismus – die Landverteilung auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern gerechter war als heute.“ Es bleibt also dabei. Die heutige Agrarmisere im Land ist natürlich politisch gemacht und wird politisch verantwortet. Ein Minister sollte sich dieser Erkenntnis nicht verschließen und endlich aufhören, das Lied der Industrielobby nachzusingen. Er ist dem Wohl des Landes und seiner Bürgerinnen und Bürger verpflichtet und nicht den bezahlten Vertreterinnen und Vertretern einer kleinen Interessengruppe.



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