Ein Museum für die Schlacht im Tollensetal – eine Idee als Gesprächsangebot

12. September 2026 | Neuigkeiten

Die archäologischen Funde im Tollensetal sind von außergewöhnlicher Bedeutung. Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie die Geschichte des bronzezeitlichen Schlachtfeldes dauerhaft sichtbar und für Besucherinnen und Besucher erlebbar gemacht werden kann.

Mit den aktuellen Planungen für den historischen Mühlenspeicher in Altentreptow kommt Bewegung in dieses Vorhaben. Für dessen Sanierung stehen inzwischen erhebliche Fördermittel zur Verfügung. Damit rückt auch die Frage wieder stärker in den Mittelpunkt, wie die Funde präsentiert und vor allem wie der unmittelbare Fundort im Tollensetal in ein zukünftiges Konzept einbezogen werden kann.

Für uns ist das ein guter Zeitpunkt, noch einmal einen Entwurf in die Diskussion einzubringen, der sich bereits sehr konkret mit dieser Frage beschäftigt hat.

Entwurf eines Forschungsmuseums am Tollensetal. Der Bau fügt sich weitgehend in die Landschaft ein.
Entwurf: Marc William Ruiken.

Ein Forschungsmuseum direkt am Tollensetal

Der Architekt Marc William Ruiken entwickelte 2016 im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Technischen Universität Dresden den Entwurf für ein Forschungsmuseum bei Weltzin. 2019 stellte er das Konzept in der Zeitschrift Pommernausführlich vor.

Ausgangspunkt seiner Überlegungen war eine einfache Beobachtung: Wer heute von Weltzin zum Ort des bronzezeitlichen Schlachtfeldes kommt, findet dort kaum etwas, das die Bedeutung des Ortes und die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen unmittelbar vermittelt.

Ruikens Idee war deshalb eine Außenstelle des geplanten Landesmuseums für Archäologie – nicht als Konkurrenz zum Landesmuseum, sondern als Ergänzung unmittelbar am Fundort.

Museum und Forschung sollten dabei bewusst miteinander verbunden werden. Vorgesehen waren Ausstellungsflächen ebenso wie Arbeitsräume für Archäologinnen und Archäologen, Bibliothek, Seminarraum und Fundlager. Ergänzt wurde das Konzept durch Gastapartments und eine sogenannte Wissenslounge für Forschende.

Forschung nicht nur zeigen, sondern erlebbar machen

Ein wesentlicher Gedanke des Entwurfs war, archäologische Forschung für Besucher unmittelbar zugänglich zu machen.

Während laufender Grabungen sollten Wissenschaftler ihre Arbeit einer interessierten Öffentlichkeit präsentieren können. Das Museum wäre damit nicht nur ein Ort für bereits geborgene Funde gewesen, sondern ein Arbeits- und Forschungsmuseum, an dem Archäologie tatsächlich stattfindet.

Auch die Ausstellung war entsprechend konzipiert. Sie sollte Besucher Schritt für Schritt durch die archäologische Arbeit führen: vom „Wo?“ und der geografischen Einordnung über das „Wie?“ mit Methoden wie Osteologie und Isotopenanalyse bis zum „Was und Wer?“ mit den eigentlichen Funden. Interaktive Bereiche sollten schließlich ermöglichen, selbst Methoden experimenteller Archäologie kennenzulernen.

Ausstellung und Forschung sollten eng miteinander verbunden werden. Der Entwurf sah auch interaktive und multimediale Formen der Vermittlung vor. Entwurf: Marc William Ruiken.

Der markante Eingang bildet eine Landmarke, während der eigentliche Museumsbau weitgehend in der Landschaft verschwindet. Entwurf: Marc William Ruiken.

Ein Museum, das Teil der Landschaft wird

Bemerkenswert ist auch der architektonische Ansatz.

Das Museum sollte an der Bruchkante des Tollensetals zwischen Weltzin und dem Fluss entstehen. Statt einen großen Baukörper sichtbar in die Landschaft zu setzen, orientiert sich der Entwurf an der vorhandenen Topografie.

Der Besucher sollte über eine Rampe in das Gebäude hinabsteigen – ähnlich dem Archäologen, der bei einer Grabung Schicht für Schicht in die Tiefe geht.

Von der Eingangshalle aus hätte eine vollständig verglaste Fassade den Blick über das Tollensetal und in Richtung der Ausgrabungsflächen geöffnet.

Von der Bruchkante aus wären dagegen im Wesentlichen nur der Eingang und Oberlichter im begrünten Dach sichtbar gewesen.

Die verglaste Fassade öffnet das Museum zum Tollensetal und zu den Ausgrabungsflächen.
Entwurf: Marc William Ruiken.

Museum, Forschung und regionaler Anziehungspunkt

Das Konzept ging bewusst über ein klassisches Museum hinaus.

Geplant waren rund 750 Quadratmeter Ausstellungsfläche, dazu Foyer, Shop und Café sowie Forschungsbereiche und Unterkünfte für Wissenschaftler. Foyer und Außenbereich sollten außerdem unabhängig vom eigentlichen Museumsbetrieb für Veranstaltungen genutzt werden können.

Ruiken verstand das Projekt ausdrücklich auch als touristischen Impuls für das vorpommersche Hinterland. Ein Museum unmittelbar am Fundort könne bestehende touristische Angebote miteinander vernetzen, die Region aufwerten und einen zusätzlichen Anziehungspunkt abseits der Ostseeküste schaffen.

Damit berührt der damalige Entwurf eine Frage, die heute aktueller denn je ist:

Wie kann aus einem archäologischen Fund von internationaler Bedeutung ein Ort entstehen, von dem auch das Tollensetal und die Menschen in der Region dauerhaft profitieren?

Kein Gegenentwurf – sondern ein Gesprächsangebot

Mit dem historischen Speicher in Altentreptow steht heute ein anderer Standort im Mittelpunkt der konkreten Planungen. Der Weltziner Entwurf stammt aus einer anderen Phase der Diskussion und war von Anfang an als Vision und Diskussionsgrundlage gedacht.

Genau als solche möchten wir ihn heute noch einmal vorstellen.

Denn vielleicht muss die Frage gar nicht lauten: Altentreptow oder Tollensetal?

Interessanter ist aus unserer Sicht die Frage, wie ein zukünftiges Gesamtkonzept aussehen kann, das Ausstellung, Forschung, Fundorte, Landschaft und touristische Erschließung miteinander verbindet.

Der Speicher in Altentreptow kann dabei ein wichtiger zentraler Anlaufpunkt sein. Gleichzeitig bleibt das Tollensetal der Ort, an dem die Geschichte tatsächlich stattgefunden hat und an dem bis heute archäologisch geforscht wird.

Der Entwurf von Marc William Ruiken zeigt eine mögliche Antwort darauf, wie dieser besondere Ort selbst Teil der Vermittlung werden könnte.

Wir möchten ihn deshalb erneut zur Diskussion stellen – nicht als fertige Lösung, sondern als Gesprächsangebot für die weitere Entwicklung eines Museums und einer Besucherlandschaft zur Schlacht im Tollensetal.