Ende der Schweinezuchtanlage in Alt Tellin!

von | 16. April 2021


Der Brand in Alt Tellin hat unsere jahrelang, schon seit der Erteilung der Betriebsgenehmigung für die Schweinezuchtanlage vorgetragenen Befürchtungen übertroffen und allen Kritikern der Anlage recht gegeben. Neben der eklatanten Missachtung der europäischen Tierschutzvorschriften und Qualhaltung wurde der Tod von zehntausenden Tieren nicht nur in Kauf genommen, sondern durch die Weigerung der Angestellten, die Tore bei Ausbruch des Brandes zu öffnen, die Rettung der Schweine und Ferkel behindert und sie einem qualvollen Tod ausgeliefert.  

Auch soll am 31.3.2021 bereits um 7 Uhr morgens Rauch aus der Anlage von Anwohnern beobachtet worden sein; die Feuerwehren wurde jedoch erst zwei Stunden später gegen 9 Uhr benachrichtigt.   

Von dem Brand gingen erheblichen Gefahren für die Anwohner aus.  Nur durch das beherzte Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehren umliegender Dörfer konnte die Explosion der Biogasbehälter, die statt der vorgeschriebenen 900m in nur 500m zur nächsten Wohnbebauung regelwidrig errichtet worden waren, vermieden werden.  

Der Brand wurde ausführlich mit erschreckenden Bildern insbesondere vom Nordkurier und darüber hinaus bundesweit dokumentiert.  

Wir möchten dazu aufrufen, dass wir alle den Wiederaufbau dieser Anlage, auch in veränderter Form verhindern. Sei es durch Ansprache der zuständigen Politiker, Wahlempfehlungen für die in diesem Jahr statt findende Landtagswahl, Leserbriefe und auch Diskussionen im privaten Umfeld. Sobald klar ist, wie sich die rechtliche Situation darstellt, werden wir einen Spendenaufruf für den BUND starten, der die seit 2017 vom OVG Greifswald nicht weiter verhandelte Klage gegen die Erteilung der Betriebsgenehmigung der Anlage mit finanzieller Unterstützung des MiLaNs geführt hat. Der MiLaN steht im engen Kontakt mit dem BUND und wird darüber berichten. 

An dieser Stelle möchte wir uns bei Jörg Kröger, Vorsitzender des MiLaNs von 2006-2017, der engagiert den Kampf gegen die Industrielle Landwirtschaft und insbesondere gegen die Anlage in Alt Tellin geführt hat, bedanken.   

Anlagen dieser Größenordnung sind, wie wir jetzt gesehen haben, im Brandfall nicht beherrschbar, zumal, wenn sie statt als Industriebetrieb und den dafür weitaus restriktiveren Sicherheitsanforderungen, systemwidrig als landwirtschaftliche Betriebe betrachtet werden. Die Gefahrenabwehr und Bekämpfung im Brandfall dürfen bei einer Anlage dieser Größenordnung auch nicht einfach nur den freiwilligen Feuerwehren benachbarter Dörfer übergeholfen werden, auch wenn sie hier in Alt Tellin großartige Arbeit geleistet haben. 

Mit der Förderung einer industriellen Schweinehaltung wie hier in Alt Tellin und weiteren sich andernorts gegenwärtig im Genehmigungsverfahren befindenden Anträgen nimmt die Politik Schäden für ganze Regionen in Kauf, die dann die unterfinanzierten Gemeinden tragen müssen.  So müssen z.B. Straßen, im Rahmen des  ländlichen Wegebaus errichtet, die nicht für die deutlich zu schweren Gülle transportierenden LKWs ausgelegt sind, laufend repariert werden.  

Die durch den stundenlangen Brand entstandenen Emissionen haben zu einer Umweltbelastung erheblicher Größenordnung beigetragen.Dass bei den über Jahre immer wieder wechselnden  Betreibern der Anlage weder Verantwortung für die Tiere noch für die Bewohner und die Umwelt vorhanden sind, wurde in den vergangenen Jahren allen, die es interessierte, vielfach vor Augen geführt.  

Daher fordern wir die Politik auf, den Wiederaufbau der Anlage zu verhindern und die für die Brandkatastrophe Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen! 

Verantwortlich für die Katastrophe sind sowohl die Betreiber als auch die Genehmigungsbehörden selbst, die seinerzeit trotz besseren Wissens und gegen den vielfach vorgetragenen Rat von Fachleuten die Betriebsgenehmigung erteilt und bei Verstößen gegen die Auflagen gar nicht oder nur sehr zögerlich durchgegriffen haben.  

Andrea Ruiken-FabichVorsitzende des Unternehmerverbandes MiLaN

Petition:
https://www.openpetition.de/petition/online/schluss-mit-der-schweinefabrik-alt-tellin

Spenden:
https://spenden.twingle.de/bund-landesverband-mecklenburg-vorpommern-e-v/nie-wieder-alt-tellin/tw606d7a93c35d8/page

oder

Spendenkonto des BUND Mecklenburg-Vorpommern e.V.

IBAN: DE36 1405 2000 0370 0333 70
BIC: NOLADE21LWL
Kennwort: Alt Tellin

Filme und Berichte zur Trägödie
:https://youtu.be/xwUUT8vdGcg von Georg Schramm und
https://straathof-massentierhaltung.jimdofree.com/ von Karsten Behr

Beitragsfoto: Erell, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons