Noch immer kein Gutachten über die Brandursache

von | 26. Juni 2021

Nach über 10 Wochen nach der Katastrophe ist immer noch nichts von den Gutachtern über die Brandursache der Anlage in Alt Tellin bekannt geworden ist. Es scheint, als ob es kein ernsthaftes Interesse gibt, die Ursachen der Katastrophe zu finden bzw. in die Öffentlichkeit zu tragen. 
 

Dabei hat Herr Baumann (im Klageverfahren gegen die Erteilung der Betriebsgenehmigung vor dem Verwaltungsgericht beigezogener Brandschutzgutachter) bereits 2017 in dem vor dem Oberverwaltungsgericht Greifswald anhängigen Klageverfahren auf die Gefahren hingewiesen und kürzlich in seinem NDR-Interview vom 30.4.2021 noch einmal von einer Katastrophe mit Ansage gesprochen. Er hat jetzt nochmals die größten Gefahrenquellen und möglichen Brandursachen benannt: 

  • Diese waren wohl der Verbund der Ställe durch die Gülleleitungen, die unter den Spaltböden ein explosives Gemisch gebildet haben. Er verweist unter anderem auf die Schweinegülle unter den Spaltenböden, die schnell gärt. Dabei entsteht methanhaltiges Faulgas. „Ab 4,4 Prozent Methan in der Luft ist dieses Gas-Luft-Gemisch verpuffungsfähig und hoch entzündlich. Und über dieses Gas-Luft-Gemisch kann sich ein Brand schlagartig ausdehnen.“ 
     
  • Die Vermutung von Herrn Baumann, dass Spaltböden entgegen der Genehmigung nicht aus Beton, sondern aus Kunststoff verwendet wurden, würde auch die großen schwarzen Wolken beim Brand erklären. Spaltböden aus Kunststoff haben im Gegensatz zu denen aus Beton eine hohe Brandlast. Im Brandschutzgutachen wiederum wurde ausgeführt, dass keine Brandlasten vorhanden seien und daher nichts brennen könne. 
     
  • Weiterhin sei die Größe derartiger Anlagen durch  die Löschkapazität der örtlichen Feuerwehren begrenzt. Dass die Anlage in Alt-Tellin gemessen daran tatsächlich zu groß war, hat sich am 30.3.2021 trotz des engagierten Einsatz der freiwilligen Feuerwehren umgebender Dörfer auf tragische Weise bestätigt.

Das ganze Interview kann hier aufgerufen werden:

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Alt-Tellin-haette-so-nie-gebaut-werden-duerfen,alttellin218.html

Der Brand ist Ausdruck des Versagens der zuständigen Genehmigungs-, Kontroll- und Aufsichtsbehörden. Sie sind mitverantwortlich für die Kontaminierung der Umgebung und den qualvollen Tod von Tausenden von Schweinen. Die Zahl schwankt zwischen 45.000 bis 57.000. Offensichtlich kommt es den Betreibern wohl nicht darauf an, ob es  12.000 Schweine mehr oder weniger waren. 

Der Brand markiert hoffentlich auch das Betriebsende dieser Anlage, die u.a. eine skandalöse und berüchtigte „Qualhaltung“ von Schweinen zu verantworten hatte. Sie hatte darüber hinaus während ihres Betriebs dauerhaft erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt: 

  • Der durch Tier-, Futter- und Gülletransporte verursachte Schwerlastverkehr hat an den Verkehrswegen des ländlichen Wegebaus erhebliche Schäden verursacht. 
     
  • Durch die Ausbringung der Gärreste aus der Biogasanlage auf den Feldern wurde das Grundwasser mit Nitrat, dass im Verdacht steht, Krebs auszulösen, belastet. Das Wasserversorgungsunternehmen hat bereits eine Erhöhung der Trinkwasserpreise angekündigt, um das Nitrat im Trinkwasser zumindest zu reduzieren.

Die Anlage war von Anfang an in der örtlichen Bevölkerung, aber auch landesweit, umstritten. Die immer wieder geäußerten Kritiken, Sorgen und Bedenken wurden nicht ernst genommen. 

Daher ist es wichtig, den Wiederaufbau zu verhindern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Da es auch anwaltlichem Beistandes bedarf, benötigt der BUND für das Straf- und Klageverfahren im ersten Schritt 5.000 EUR. Der MiLaN hat sich bereits finanziell beteiligt. Jede weitere Spende hilft:  

Spendenkonto des BUND Mecklenburg-Vorpommern e.V.
IBAN: DE36 1405 2000 0370 0333 70, BIC: NOLADE21LWL

Kennwort: Alt Tellin

Die gleiche Herangehensweise wie bei der Genehmigung und dem Bau der Anlage in Alt Tellin ist jetzt beim Ausbau der Windkraft festzustellen.  Der Landesregierung zieht sich aus der Fläche zurück, ignoriert die Interessen der ansässigen Bevölkerung und verhindert darüber hinaus durch Abbau von Stellen bzw. deren Nichtbesetzung, dass Belange u.a. des Denkmal-  und Naturschutzes angemessen berücksichtigt werden können. Argumente werden wie beim Bau der Schweinezuchtanlage in Alt-Tellin ignoriert und beim Ausbau der Windkraft „weggewogen“, d.h. systematisch übergangen. Dabei entsteht auch volkswirtschaftlicher Schaden da der Ausbau der Stromnetz mit dem Ausbau der Winkraft im Norden nicht mithält und die Anlagen oft „abgeregelt“ werden müssen.

Es kann nicht sein, dass unter der Fahne des Klimaschutzes einige wenige Investoren und Landbesitzer durch die Windkraft hohe Gewinne erzielen und die ansässige Bevölkerung ohnmächtig die Nachteile in Kauf nehmen muss.

Wir fordern, dass die auf eine faire Interessenabwägung verpflichteten Institutionen der Landesregierung nicht etwa einseitig die Investoren und Landbesitzer stützen. 

Gerade, wenn diese nicht in der Region ansässig sind, muss darauf bestanden werden, dass sie ihre Verantwortung für die Region ernst nehmen. Und das nicht erst, wenn es zu einer Katastrophe wie am 30. März 2021 in Alt Tellin gekommen ist.

Zur Historie der Anlage in Alt Tellin und der anschließenden Katastrophe hat Karsten Behr, ein direkter Anwohner, eine Dokumentation verfaßt :https://www.alttellin.info/

Ich würde mir wünschen, dass sich über den MiLaN hinaus ein stärkeres Bewußtsein für den Natur- und Tierschutz  entwickeln würde und dieses dann auch seinen Ausdruck im Abstimmungsverhalten bei den im Herbst anstehenden Landtags- und Bundeswahlen fände.

Andrea Ruiken-Fabich
Vorsitzende des Unternehmerverbandes MiLaN

Bild: Erell, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons